Beratungsstelle für Studienfinanzierung
 
 
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STUDIUM - Kosten und Finanzierung

Darlehen privater Kreditinstitute

Nicht erst seit der Einführung von Studiengebühren stellt sich für viele Studierende sowie für Studienanfängerinnen und -anfänger die Frage nach einer geeigneten Finanzierung ihres Studiums. Dieser Aspekt hat danach jedoch noch einmal an Bedeutung gewonnen und damit auch die Suche nach zweckmäßigen bzw. ggf. ergänzenden Finanzierungsmöglichkeiten. Neben den Leistungen der Eltern, die nach wie vor die wichtigste Rolle spielen, ersatzweise oder ergänzend dem BAföG sowie Jobs der Studierenden selbst kommen hierfür zunehmend Stipendien und Darlehen in Betracht. Zwar sind Stipendienprogramme in einem starken Ausbau befindlich, der Zugang zu ihnen wirkt für viele Interessenten jedoch noch immer elitär und scheint mit großen Hürden verbunden zu sein. Demzufolge ist besonders das Interesse an Darlehen groß, doch auch hier gibt es zahlreiche Orientierungsprobleme, da das Angebot ausgesprochen vielschichtig und teilweise zweckgebunden ist. So sind etwa Darlehen der NRW-Bank auf die Finanzierung von Studienbeiträgen beschränkt und stellen damit nur eine Ergänzung, nicht aber Alternative zur Bewältigung der allgemeinen Lebenshaltungskosten dar. Im Folgenden soll dementsprechend auf das nicht zweckgebundene Angebotsspektrum zumeist privater Kreditinstitute eingegangen werden.

Grundlage hierfür ist neben Auskünften der Institute selbst der „CHE-Studienkredit-Test 2007“, herausgegeben durch das Centrum für Hochschulentwicklung GmbH (CHE), das 38 aktuelle Studienkredite verglichen und aus studentischer Perspektive beurteilt hat. Die dort angebotenen Informationen sind auch online unter www.che-studienkredit-test.de in einer zwölfseitigen Kurzdarstellung sowie einer umfassenden Version von 47 Seiten verfügbar.

Das Magazin Studilux hat ebenfalls private Kreditgeber verglichen, die Ergebnisse sind online unter www.studilux.de zu finden.

Vor einer Beschreibung der Kreditangebote soll jedoch zunächst eine Empfehlung zur Vorgehensweise für Interessierte gegeben werden. So kann der Umgang mit dem vergleichsweise komplizierten Thema „Studienkredite“ erleichtert und die Suche nach einem individuell passenden Angebot erleichtert werden.

Wenn dabei im Folgenden der Einfachheit halber überwiegend von „Studierenden“ die Rede ist, gelten alle Informationen auch für Studieninteressierte, die frühzeitig planen und vergleichen wollen.

Der Weg zur richtigen Entscheidung

Um einen Kredit zu finden, der den persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht wird, empfehlen sich dem CHE zufolge 4 sinnvolle Schritte:

So sollte jeder Studierende zunächst prüfen, welchen Finanzierungsbedarf er wirklich hat bzw. haben wird. Die Einnahmenseite umfasst dabei - wie einleitend bereits erwähnt - die Förderung durch die Eltern, mögliches BAföG, Jobs, Stipendien und ggf. besondere Einkünfte wie etwa Zinsen aus Vermögen, Mieteinnahmen, Renten etc.

Demgegenüber stehen die durchschnittlichen Kosten pro Monat, die Positionen wie Miete, Lebensmittel, Kleidung usw. umfassen und weit größer sein können, als von vielen Studierenden zunächst vermutet. Nach Untersuchungen kann derzeit ein ungefährer Durchschnittsbetrag von 763 EUR pro Monat zugrunde gelegt werden, der jedoch abhängig ist von einer Vielzahl von Faktoren und somit je nach persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen stark schwankt. Um einen genaueren Überblick über die Kostenseite zu bekommen, wird an dieser Stelle auf die Informationen zu dem Stichwort „Lebenshaltungskosten“ verwiesen.

In einem zweiten Schritt sollten sich interessierte Studierende ihre persönlichen Ansprüche an einen Kredit vor Augen halten. Fragen nach Volumen und Verwendungszweck eines Kredites, verlangten Sicherheiten, Kosten in Form von Zinsen, Rückzahlungsvorgaben und Flexibilität bei der Studienplanung sollten hier im Mittelpunkt stehen. Eine genauere Auflistung sowie ein Präferenzmodell in tabellarischer Form bietet die bereits erwähnte und unter dem o.g. Link erhältliche „Kurzinformation Studienkredite“ des CHE.

Erst nach dieser Vorarbeit empfehlen sich in einem dritten bzw. vierten Schritt der Vergleich konkreter Angebote und schließlich die Kontaktaufnahme zu dann noch in Frage kommenden Kreditinstituten. So vermeiden die Studierenden kostspielige Fehler und das so häufige unsichere Gefühl im Umgang mit Kreditinstituten.

Darstellung von Kreditangeboten

Im Folgenden sollen die Rahmendaten von Darlehen und ihnen sehr ähnlichen Fondsangeboten beschrieben werden, die für Studierende der Universität Bielefeld zugänglich sind. Zwar gibt es noch weitere Vergleichsmöglichkeiten bzw. Konkurrenzangebote, die im Vorfeld von Studierenden herangezogen werden könnten, für eine praktische Nutzung letztlich aber nicht in Frage kommen. So können beispielsweise Angebote aus anderen Bundesländern als Nordrhein-Westfalen interessant erscheinen, stehen aber aufgrund ihrer Länderbindung nicht zur Verfügung.

Eine Bewertung oder Empfehlung konkreter Angebote einzelner Banken oder Fonds soll und kann an dieser Stelle jedoch nicht gegeben werden, da wie erwähnt jeder Studierende individuell entscheiden muss, welche Punkte ihm an einem Kredit besonders wichtig sind. Den generellen „Idealtyp“ eines Kredits gibt es also nicht, er kann folglich hier nicht dargestellt werden. Vielmehr ist die folgende Darstellung dazu gedacht, eine Einführung in das komplexe Thema zu leisten und Studierenden zu zeigen, mit welchen Hürden sie rechnen müssen bzw. wie bestehende Angebote verglichen und eingeordnet werden können.

a) Zugang

Im Allgemeinen ist der Zugang zu Darlehen und Fondsangeboten nur mit wenigen Hürden oder Voraussetzungen verbunden. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Interessenten an einer staatlich anerkannten Hochschule studieren müssen bzw. studieren werden, was Studierende der Universität Bielefeld selbstverständlich erfüllen.

In einzelnen Fällen wird die Teilnahme an einem – meist online durchgeführten – Bewerbungsverfahren verlangt, ggf. ergänzt durch eine persönliche Vorstellung. Wenige Anbieter verlangen sehr umfassende Informationen wie eine Darstellung der persönlichen Einnahmen- und Kostensituation, Kopien der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnung, aktuelle Leistungsspiegel und regelmäßige Berichte über den aktuellen Studienverlauf. Weiterhin kann der Abschluss des Studiums innerhalb einer Höchstzeit verlangt werden, die die Regelstudienzeit um zwei bzw. drei Semester nicht übersteigen darf. Jedoch handelt es sich auch hierbei um nur in Einzelfällen verlangte Bedingungen. Außerdem können das Alter des Interessenten und sein Einschreibungsstatus – ob also im Erst-, Zweit- oder Aufbaustudium studiert wird – von Bedeutung für die Gewährung eines Darlehens sein.

Auch die jeweilige Studienrichtung kann ein entscheidender Faktor für die Vergabe von Darlehen sein. Neben einzelnen Banken prüfen hier insbesondere Darlehensfonds die Berufsperspektiven von Bewerbern und formulieren auf dieser Prüfung basierende Angebote mit individuellen Konditionen.

Für ausländische Studierende ist der Zugang zu Darlehen häufig etwas schwieriger als für deutsche Staatsangehörige. In vielen Fällen wird eine bereits erfolgte Aufenthaltsdauer von wenigstens zwei oder sogar drei Jahren in Deutschland sowie eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bzw. Niederlassungserlaubnis verlangt. Für EU-Bürger gelten vergleichbare Voraussetzungen oder Einschränkungen nur sehr selten.

b) Kreditvolumen

Die Kreditvolumina der einzelnen Angebote weisen erhebliche Unterschiede auf: Teils hängen sie von Studiendauer und –fortschritt ab, teils sind sie individuell aushandelbar. Die Untergrenze bilden dabei Beträge von etwa 200 Euro pro Monat, die jedoch nur für Studienanfänger gilt und mit Verlauf des Studiums angehoben wird. Obergrenzen für monatliche Auszahlungen liegen zwischen 555 und 1500 Euro pro Monat. Dabei ist jedoch zu beachten, dass einzelne Banken und Darlehensfonds Formulierungen wie „bis zu“ oder „maximal“ nutzen, Höchstgrenzen also nicht zwingend und nur in Abhängigkeit von Studienfach und ‑erfolg erreicht werden können.

Je nach Angebot kann es außerdem Höchstgrenzen für die Darlehenslaufzeit oder Gesamtauszahlungsbeträge geben. Die Darlehenslaufzeiten richten sich dann im Allgemeinen nach der Regelstudienzeit plus 2 oder 3 Semester. Bei anderen Angeboten sind Laufzeiten fix begrenzt (maximal 60 Monate). Grenzen für Gesamtauszahlungen schwanken – sofern vorhanden – zwischen 25.000 Euro und 60.000 Euro.

Bemerkenswert ist, dass einige Anbieter Möglichkeiten für Sonderzahlungen einräumen, mit denen außergewöhnliche Anschaffungen wie Computer oder auch Praktika und Auslandssemester finanziert werden können. Feste Beträge können dabei schlecht veranschlagt werden, handelt es sich doch häufig um individuelle Sonderanträge im Rahmen eines laufenden Kredits.

c) Kosten

Die Kosten aktueller Kreditangebote sind auf den ersten Blick sehr ähnlich. Die Zinsen während der Auszahlungsphase belaufen sich auf  Sätze von zurzeit knapp 6% p.a. Während der Rückzahlungsphase ergeben sich jedoch deutlich größere Unterschiede, da hier Zinssätze zwischen zurzeit 6 und 9% p.a. veranschlagt werden. Außerdem ist zwischen Festzinsangeboten und solchen mit variablen Zinssätzen zu unterscheiden. Nur selten wird ein Festzinsangebot gemacht; variable Zinssätze dominieren die Angebotslage also. Demnach sollte jeder Studierende gerade hier genau prüfen und vergleichen, außerdem je nach Marktzinslage entscheiden, ob ein Festzinsangebot und damit größere Planbarkeit gerade sehr positiv zu bewerten ist oder vielleicht doch ein variabler Zinssatz – also mögliche Änderungen der Kosten eines Kredits nach oben oder unten – für ihn günstiger erscheint. Vergleich, Beratung und vor allem das Einholen mehrerer Meinungen und Argumente sind hier vor dem Abschluss eines Vertrags von elementarer Bedeutung!

Dies gilt auch und gerade für Angebote von Darlehensfonds. Diese Fonds bieten anders als Banken keinen klassischen Kreditvertrag an, sondern zahlen Gelder ihrer Anteilseigner aus. Anstatt für diese Gelder einen Zinssatz zu bezahlen, verpflichten sich Studierende, einen Prozentsatz ihres späteren Einkommens für einen bei Vertragsabschluss festgesetzten Zeitraum zurückzuzahlen. Angebote und demnach Kosten werden also individuell ausgehandelt und sind abhängig von Studiengang und Berufsperspektive. Um Kosten einschätzen, unangenehme Überraschungen beim Berufseinstieg vermeiden und Fondsangebote mit Zinssätzen vergleichen zu können, sollte sich also jeder Interessent vorab über seine Berufsaussichten und ein zu erwartendes Einstiegsgehalt informieren.

d) Rückzahlung

Die Rückzahlung von Krediten beginnt im Allgemeinen 12 Monate nach Abschluss des Studiums. Diese „Freistellungsphase“ kann in einigen Fällen verkürzt oder auch verlängert werden. So werden z.B. teilweise Referendariatszeiten und Praktika berücksichtigt.
Nur bei wenigen Angeboten werden Mindestgrenzen des Verdienstes formuliert, unterhalb derer keine Rückzahlungen geleistet werden müssen.

Sollten Studierende in ihrem späteren Beruf überraschend viel verdienen oder zusätzliche Einkünfte beziehen und ihren Kredit frühzeitig zurückzahlen wollen, werden häufig Sondertilgungen angeboten.

e) Fachrichtungs- und Hochschulwechsel, andere Formalitäten

Bei der Mehrzahl der Kreditangebote sind Wechsel der Fach- bzw. Studienrichtung sowie Hochschulwechsel problemlos möglich und führen zu keinerlei Änderungen des abgeschlossenen Vertrags. Gleiches gilt für Auslandssemester. In Einzelfällen werden hierbei jedoch vorherige Absprachen und Anträge verlangt. Ein komplettes Auslandsstudium wird nur von etwa der Hälfte der Anbieter finanziert.
Anders verhält es sich bei Verträgen mit Darlehensfonds. Hochschulwechsel sind zwar auch hier problemlos, Wechsel der Studienrichtung führen jedoch angesichts anderer Berufsperspektiven entweder zu einem neuen Angebot bzw. Vertrag oder zur Umwandlung der Auszahlungen in einen klassischen Kredit.

Abschließend ist noch einmal zu betonen, dass es sich bei dieser Darstellung um eine möglichst wertfreie und nicht erschöpfenden Rahmenbeschreibung handelt, die einen ersten Überblick und eine erste Orientierung zu den verschiedenen, verfügbaren Darlehens- und Förderungsangeboten geben soll. Grundsätzlich gilt, dass umfassende Informationen, Vorbereitungen und Vergleiche zahlreicher Angebote im Vorfeld von zentraler Bedeutung sind. Denn jeder Interessent muss für sich selbst ermitteln, welche Faktoren für seine Entscheidung ausschlaggebend sein sollen.

Informationen zu Darlehen privater Kreditinstitute (Überblick):
www.che-studienkredit-test.de

Information und Beratung:
Universität Bielefeld, Beratungsstelle für Studienfinanzierung (c/o Studierendensekretariat)
AStA - SchuldnerInnenberatung