


Projektlaufzeit: 01.06.2009 - 31.05.2011
Hintergrund:
"Gute Lehre" rückt immer mehr in das Zentrum hochschulpolitischer wie universitärer Bemühungen. Bei näherer Betrachtung der Literatur zu Schlagwörtern wie "Qualitätssicherung in der Lehre" wird deutlich, dass sich bereits hinter dem Kompaktbegriff "gute Lehre" multiple Ziele verbergen.
In Zeiten der Studienreform und Exzellenzinitiative sind NachwuchswissenschaftlerInnen in hohem Maße gefordert, disparate Anforderungen zu bewältigen. Unter dem Gesichtspunkt multipler Ziele innerhalb der Lehre kommt der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge eine besondere Bedeutung zu - das Angebot "guter" Lehrveranstaltungen reicht nicht mehr aus: Neben der Konzeption neuer Studiengänge und fächerspezifischer Auswahlverfahren sind NachwuchswissenschaftlerInnen auch mit der Entwicklung neuer Curricula, Prüfungs- und Studienordnungen betraut. Sollen die anspruchsvollen, mit der Studienreform verknüpften Erwartungen eingelöst werden, sind jedoch sehr viel weitergehende Anforderungen zu meistern. Allen voran ist die Etablierung innovativer Lehr-Lern-Konzepte voranzutreiben, die dem selbstregulierten Lernen mehr Raum geben, stärker auf die Vermittlung von überfachlichen Kompetenzen abheben und aufgrund ihres anwendungsorientierten Charakters der geforderten Berufsorientierung Rechnung zu tragen. Damit einhergehend sind neue Formen der Leistungsüberprüfung zu implementieren, das Spektrum an multimedialen Lehrangeboten zu erweitern, eine institutionell verankerte Lehrevaluationskultur zu etablieren und die Beratungs- und Betreuungsfunktion von Lehrenden auszuweiten.
Das bereits in diesen Sollvorgaben angelegte Konfliktpotential steigt erheblich, wenn beide Kernaufgaben von Hochschulen - Forschung und Lehre - betrachtet werden. Insbesondere die Exzellenz-Initative hat in jüngster Zeit zu einem verschärften Wettbewerb um das knappe Gut "Reputation" beigetragen. Der wissenschaftliche Nachwuchs braucht zudem Erfolge in der Forschung für seine Qualifikation, ohne die eine weitergehende akademische Karriere nicht möglich ist. So dürfte sich das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen lehr- und forschungsbezogenen Zielen verschärfen und die Wahrscheinlichkeit konfligierender Ziele steigen.
Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt "Conflicting Goals at universities - Multiple Ziele von Lehrenden und Organisationen" (ConGo@Universities) richtet den Fokus auf die Identifizierung jener strukturellen und psychologischen Bedingungen, die einen effektiven Umgang mit den sich im Rahmen des "Bologna-Prozesses" ergebenden Zielkonflikten begünstigen und insofern auch als Voraussetzungen für eine gelungene Studienreform gelten können.
Besonderes Kennzeichen des Projekts ist der interdisziplinäre Zugriff: Gestützt auf organisationssoziologische Ansätze einerseits und psychologische Handlungs- und Motivationsansätze andererseits soll das Lehrengagement von NachwuchswissenschaftlerInnen als Funktion organisationaler und personeller Bedingungen analysiert werden. Insgesamt eröffnet dieser Zugang die Chance, das Handeln kollektiver Akteure (hier: der Hochschulleitungen und der in Support-Strukturen Tätigen) und individueller Akteure (hier: der NachwuchswissenschaftlerInnen) unter einem thematischen Fokus - nämlich dem Umgang mit multiplen Ziel(vorgab)en - zu untersuchen und systematisch aufeinander zu beziehen. Während die Perspektive der Organisation durch einen Projektpartner, die DHV Speyer, betreut wird, liegt im Bielefelder Teilprojekt der Fokus auf der individuellen Perspektive der NachwuchswissenschaftlerInnen.
Ablauf:
Aspekte der formal-organisatorischen Gestaltung und der Lehr-/Lernprozessgestaltung können prinzipiell in vielfältiger Weise interagieren. Unter Berücksichtigung der dem Projekt zugrunde liegenden Theorien und Forschungsgegenstände liegt es jedoch nahe, die Analyse auf drei Aspekte zu fokussieren, die auf individueller Ebene als leistungsrelevante Bedingungen gelten und eine Entsprechung auf organisationaler Ebene haben:
Ziele:
Neben der Beantwortung der Forschungsfrage (explikatives Ziel) sollen aus den gewonnen Erkenntnissen Ansätze zur Optimierung der gegenwärtigen Lehrsituation an den Hochschulen abgeleitet werden, die wir insbesondere über Weiterbildungsveranstaltungen im Hochschulkontext zu verankern versuchen (praxeologisches Ziel). Diese heben sich in zweifacher Weise von vorliegenden Veranstaltungen ab: auf der inhaltlichen Ebene, da Handlungsempfehlungen zur Reform der universitären Lehre stets unter Berücksichtigung der auf organisationaler und individueller Ebene relevanten Handlungsoptionen und -restriktionen sowie deren Wechselspiel formuliert werden; auf der methodischen Ebene, indem Strategien zur Förderung des Wissenstransfers zum Einsatz kommen, die sich in der Erwachsenenbildung und der Unternehmensberatung bewährt haben.
Durch die Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Handlungsempfehlungen und Weiterbildungskonzepten, die Hochschulen nutzen können, um den kollektiven und individuellen Umgang mit multiplen Zielen zu optimieren, soll ein Beitrag zur Professionalisierung der Hochschullehre und der Support-Funktionen innerhalb der Hochschule geleistet werden.
Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer
Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Ansprechpartner Uni Bielefeld
Prof. Dr. Elke Wild, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie
Tel.: 0521 106 4524
Mail: Elke.Wild@uni-bielefeld.de
MitarbeiterInnen
Dipl.-Päd., Dipl.-Wirts.Inf. (BA) Julia Gorges, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie
Dipl.- Psych. (BA) Wiebke Esdar , Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie
URL zu dem Projektvorhaben:
http://www.foev-speyer.de/multiplehochschulziele
Link zum Deutsche Bildungsserver:
http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=7001
Gefördert durch das BMBF

Ansprechpartner:
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Prof. Dr. Rolf König
Dipl.-Päd. Annette-Christina Kopatz
Universität Bielefeld
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Telefon: +49 521 106-5103
Fax: +49 521 106-6491
Email: akopatz@wiwi.uni-bielefeld.de