


Projektlaufzeit: 01.10.2008-31.12.2010
Hintergrund:
Ergebnisse nationaler wie internationaler Leistungsvergleichsstudien verweisen darauf, dass Schulfächer hinsichtlich der Kompetenz- und Interessensentwicklung, der Motivation, des Selbstvertrauens, der fachbezogenen Selbstkonzepte und letztlich auch der Leistungen nach wie vor zwischen den Geschlechtern in bestimmte „Reviere“ aufgeteilt sind – Mathematik gilt dabei noch immer als „typisches Jungenfach“. Geschlechtsspezifische Unterschiede in den Fachpräferenzen werden bereits am Ende der Grundschulzeit sichtbar, verstärken sich im Laufe der Schulzeit, manifestieren sich in der Wahl der Leistungskurse und setzen sich bei der späteren Studienfach-, Studiengangs- und Berufswahl fort. Mathematik stellt dabei, neben der eigenständigen Relevanz des Faches, auch eine „Schlüsseldisziplin“ für die Studien- und Berufswahl in naturwissenschaftlich-technischen Fächern und Berufsfeldern dar.
Seit mehr als 15 Jahren betonen FachdidaktikerInnen und genderbezogene Schul- und HochschulforscherInnen, dass neben der Entwicklung und Umsetzung einer geschlechtersensiblen Didaktik in der Mathematik und den Naturwissenschaften auch die Notwendigkeit einer Sensibilisierung der Lehrenden dieser Fächer hinsichtlich ihres Beitrags zur Inszenierung und Reproduktion geschlechterstereotyper Trennlinien besteht, ohne dass dieser Erkenntnis bislang in der Lehramtsausbildung an Hochschulen in systematischer Weise Rechnung getragen worden wäre. Geschlechterstereotypisierungen und fehlende Genderkompetenz seitens der LehrerInnen müssen – neben anderen Faktoren – als eine wesentliche Ursache für den fachspezifischen Geschlechterbias in der Interessensentwicklung und dem Kompetenzerwerb junger Menschen erkannt werden.
Ziel:
Gerade angehende LehrerInnen als zukünftige MultiplikatorInnen sollten darin geschult werden, in Bezug auf die Fachdidaktik und die Fachinhalte ihres Unterrichtsfachs Genderkompetenz zu erwerben, um ihren „Beitrag“ zur Überwindung geschlechtsspezifischer Konnotierungen von Unterrichtsfächern zu leisten (bzw. leisten zu können). In der Regel fehlen jedoch – insbesondere in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern – Angebote für Lehramtsstudierende, sich innerhalb ihres Studiengangs mit Genderfragen zu beschäftigen. Die systematische Integration von Genderkompetenz in die Lehramtsausbildung wäre jedoch ein nachhaltiger bildungspolitischer Schritt zur Erhöhung von Chancengleichheit jenseits geschlechterstereotyper „Wissens- und Interessensreviere“ und zudem ein wichtiger Baustein der Professionalisierung, Kompetenzvertiefung und Qualitätssicherung einer berufsorientierten Hochschulausbildung von LehrerInnen, wie sie nicht nur die HRK in ihren Empfehlungen zur Zukunft der Lehrerausbildung an Hochschulen im Zuge der Einführung neuer Studienstrukturen formuliert.
Das Forschungsprojekt greift dieses Defizit in der Lehramtsausbildung für das Fach Mathematik auf und schlägt damit
Inhalt des Forschungsprojektes ist es, ein Genderkompetenzmodulelement für die Lehramtsausbildung im Fach Mathematik zu entwickeln, modellhaft zu erproben, zu evaluieren und anschließend als eine – auf andere Hochschulen übertragbare – Lehreinheit zur Verfügung zu stellen. Vorstellbar wäre perspektivisch zudem, das Modul in veränderter oder weiterentwickelter Form auch für die Referendariatsphase und die LehrerInnenfortbildung einzusetzen.
Methodik und Phase:
Für die konzeptionelle Entwicklung des Genderkompetenzmodulelements werden Ergebnisse der fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen sowie der genderbezogenen Lehre und Forschung im Bereich der Mathematik mit Befunden der genderbezogenen Schul-, Hochschul- und Bildungsforschung im Bereich der Erziehungs- und Sozialwissenschaften zusammengeführt. Das Verbundprojekt gliedert sich in mehrere, aufeinander aufbauende Arbeitsschritte/Projektphasen, in denen die drei Verbundpartnerinnen entweder gemeinsam oder in Gruppen eng zusammenarbeiten, um möglichst hohe Synergieeffekte durch die Zusammenführung und Bündelung unterschiedlicher (fachlicher) Kompetenzen zu erzielen:
Universität Bielefeld, IFF (Interdisziplinäres Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung)
Universität Hamburg, Department Mathematik
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Politikwissenschaft / Arbeitsstelle Gender Studies
Das Forschungsprojekt ist als interdisziplinäres Verbundprojekt konzipiert. Die Konsortialleitung liegt am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (IFF) der Universität Bielefeld.
AnsprechpartnerInnen Uni Bielefeld
Dr. Anina Mischau, Interdisziplinäres Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (IFF) der Universität Bielefeld
Tel.: 0521 106 4573
E-Mail: anina.mischau@uni-bielefeld.de
Prof. Dr. Ursula Müller, Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie
Tel.: 0521 106 4615
E-Mail: ursula.mueller@uni-bielefeld.de
URL zu dem Projektvorhaben:
www.uni-bielefeld.de/IFF/genderundmathe
Link zum Deutsche Bildungsserver:
http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=6891
Gefördert durch das BMBF

Ansprechpartner:
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Prof. Dr. Rolf König
Dipl.-Päd. Annette-Christina Kopatz
Universität Bielefeld
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Telefon: +49 521 106-5103
Fax: +49 521 106-6491
Email: akopatz@wiwi.uni-bielefeld.de